10 Juli 2026

Die Welt eines Züchters ist voller Überraschungen – man lernt nie aus

Die Welt eines Züchters ist voller Überraschungen – man lernt nie aus

In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich – ebenso wie einige befreundete Züchter – bereits mehrfach mit einer doppelten Deckung gearbeitet. Das bedeutet: Die Hündin wird zunächst von Rüde A gedeckt und am folgenden Tag von Rüde B.

Das Ergebnis war bisher immer eindeutig: Alle Welpen stammten vom ersten Rüden. Genau das hatte mir auch Maarten Kappen von Cryolab erklärt. Nach seiner Erfahrung ist das nahezu immer der Fall. Nur wenn man Sperma mischt, kann es zu einem Wurf mit unterschiedlichen Vätern kommen.

Doch offenbar geht es auch anders. Warum, bleibt mir bis heute ein Rätsel.

Unsere „Uschi“ hatte am Dienstag, dem 17. Februar 2026, einen Progesteronwert von 12,6. Daraufhin machte ich mich am Mittwochmorgen auf den Weg nach Frankreich, um Nelleke, Sjaak und Robbie zu treffen.

Am Mittwochnachmittag gegen 15 Uhr wurde „Uschi“ von Robbie gedeckt, am Donnerstagvormittag wurde die Deckung wiederholt.

Nun schaute ihr eigener Rüde „Dembe“ allerdings sehr traurig aus der Wäsche. Aus einer scherzhaften Bemerkung heraus sagten wir: „Ach komm, lass ihn auch decken – dann muss er nicht so leiden.“ Gesagt, getan. So kam es am Donnerstagnachmittag noch zu einer dritten Deckung – diesmal mit Dembe.

„Uschi“ wurde problemlos tragend, brachte ihre Welpen zur Welt, und für mich bestand überhaupt kein Zweifel: Alle Welpen mussten von Robbie sein.

Deshalb erwähnte ich den Welpenkäufern die doppelte Deckung auch nicht.

Ein Fehler!

Als ich am Freitag letzter Woche – die Welpen waren inzwischen fast zehn Wochen alt – beim Progenius-Labor nachfragte, warum die DNA-Ergebnisse noch nicht vorlagen, erhielt ich eine Antwort, mit der ich niemals gerechnet hätte.

Bei sechs Welpen könne Robbie nicht der Vater sein. Das Labor fragte mich, ob DNA eines weiteren Rüden vorhanden sei.

Ich fiel fast vom Bürostuhl. Mein Blutdruck schoss in die Höhe, und ich konnte kaum glauben, was ich gerade gelesen hatte.

Sofort kontaktierte ich Nelleke, die mir umgehend die Ahnentafel sowie das DNA-Profil von Dembe zuschickte. Ich leitete alles direkt an das Labor weiter.

Die folgende Nacht war schlaflos. Fünf der Welpen waren bereits an Züchter beziehungsweise Aussteller verkauft worden. Was würde das Ergebnis bedeuten?

Am nächsten Morgen kam die Auflösung.

Die drei Rüden, die an Züchter und Aussteller gegangen waren, stammten tatsächlich von Robbie.

Alle übrigen sechs Welpen stammten von Dembe.

Nun musste ich alle Käufer informieren. Zum Glück reagierten alle sehr verständnisvoll (bis auf unseren dänischen Käufer, der einen neuen Haushund wollte). Allerdings waren meine beiden Käuferinnen der Hündinnen verständlicherweise weniger entspannt, da sie bereits konkrete Zuchtpläne mit ihren Welpen hatten. Diese Pläne liegen nun erst einmal auf Eis.

Selbstverständlich habe ich beiden angeboten, den Welpen gegen Erstattung des vollständigen Kaufpreises zurückzunehmen.

Zurück bleibt für mich vor allem eine große Frage:

Wie ist das möglich?

Ohne die späte Deckung durch Dembe hätte „Uschi“ offenbar nur drei Welpen von Robbie bekommen.

Die Natur überrascht uns eben immer wieder – und bleibt eine große Wundertüte

Man lernt tatsächlich nie aus.

Fakt ist: Ich war einmal wieder der erste, der erste OES-Züchter, der einen Wurf hat mit 2 verschiedenen Vätern